von Marion Fugléwicz-Bren
Im Anfang war das Wort. Der berühmte
Einführungssatz des Johannes-Evangeliums öffnet jedem Linguisten das
Herz. Sprache kleidet Ideen in Worte, erzählt Geschichten, teilt
Gefühle mit. Manche Menschen (auch die Autorin dieser Zeilen tendiert zu
dieser Ansicht) halten die Komplexität und den Reichtum unserer Sprache
für die Meisterleistung des Menschen schlechthin. Die Errungenschaften der
Menschheit - sei es in Wissenschaft, Technik, Geschichte oder Kunst -
wären ohne die Sprache nicht denkbar. Sprache entwickelt sich allerdings
als lokales Phänomen - was zur Folge hat, daß es tausende von
Sprachen gibt, deren Sprecher einander oft nicht verstehen. Die - kulturell
ungemein interessante und wichtige - Sprachenvielfalt kann allerdings den
unangenehmen Nebeneffekt haben, effiziente Kommunikation zu behindern. Das kann
- vornehmlich in kleineren Ländern mit eigener Sprache - Probleme in der
heutigen Business-Welt verursachen; dann nämlich, wenn Geschäftsleute
Probleme haben, an den globalen Markt heranzukommen und ihre - oft über
den ganzen Erdball verstreuten - Kunden zufriedenzustellen.
Im Zeitalter des Global Village sollte jeder einzelne Bürger und
jedes Unternehmen die Möglichkeit haben, die weltumspannende
Informationsgesellschaft zu nutzen. Erstrebenswert ist daher eine entsprechende
Infrastruktur elektronischer Sprachressourcen, die über Netzanschluß
für jedermann zugänglich ist. Noch ist dem nicht so. Daß etwa die europäische
Informationsgesellschaft hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit der US-amerikanischen
nachhinkt, ist eine weitverbreitete - und zum Teil leider nicht unberechtigte -
Ansicht. Nicht zuletzt liegt dieser Rückstand an der zitierten
Vielsprachigkeit des EU-Raums. Nun hat die Europäische Kommission -
innerhalb der INFO 2000-Initiative - auch ein Förderprogramm für die
mehrsprachige Informationsgesellschaft ins Leben gerufen: MLIS (MultiLingual
Information Society*). Das Programm soll den Boden aufbereiten, damit sich die
verschiedenen Zweige der Sprachindustrie - zum Beispiel Sprach-Engineering und
Übersetzung - entfalten können. Schon jetzt gibt es eine Reihe
kommerzieller Entwicklungen, die auf die internationale Geschäftswelt
wirken.
Sprache und kulturelle Identität
Die Bedeutung von Sprache für die kulturelle
Identität ist unumstritten. Das Time-Magazin widmet die Coverstory seiner
Juli-Ausgabe dem Problem aussterbender Sprachen aufgrund der Globalisierung:
„Das Aussterben einer Sprache kennzeichnet auch das Aussterben einer
Kultur“, befürchten Experten. Vorerst. Denn die Auswirkungen von
Terminologie und Kultur auf die Wirtschaftsleistung sind mannigfaltig, obgleich
massiv unterschätzt. Die sprachliche Vielfalt innerhalb der EU ist nur
scheinbar ein Widerspruch zur europäischen Einheit. Nationale und
regionale Unterschiede, die sich in der Sprache widerspiegeln, beflügeln
die Pluralität der Meinungen, die Kreativität und die Entwicklung von
Problemlösungsstrategien. Technologietransfer und Kulturaustausch zwischen
europäischen Ländern sowie zwischen Industrie und Handel führt
zu wirtschaftlichem Erfolg. Daß Kultur im Singular nicht existiert, ist
eine kulturphilosophische Faustregel. Kultur definiert sich durch Vielfalt. Die
neuen Technologien können einen bedeutenden Beitrag leisten, diese - in
dem Falle sprachliche - Vielfalt
zu pflegen. Etwa dadurch, daß sprachliche Ressourcen wie
Wörterbücher, Terminologie- oder Textsammlungen von privaten und
öffentlichen Eigentümern sowie Autoren der Sprachressourcen auf einem
offenen, europäischen Online-Markt zugänglich gemacht werden. Sprachtechnische
Produkte und Dienstleistungen ermöglichen es kleinen und großen
Unternehmen, ihre Märkte besser zu beobachten und zu bedienen. Die
Elektronik- und Telekommunikations-Infrastruktur soll nicht zuletzt dazu
beitragen, daß die Informationswirtschaft allen Europäern die
gleichen Chancen bietet und daß die europäische Industrie auf den
Weltmärkten besser bestehen kann.
Interessanterweise scheint es in Bezug auf Enthusiasmus
gegenüber neuen Technologien eine große Kluft zwischen den beiden Kontinenten zu geben:
Stimmen Amerikaner tendenziell darin überein, daß etwa ein Modem das
Tor zum Einstieg in eine neue Phase der Zivilisation darstellt, so dürften
Europäer darin eher ein recht brauchbares Haushaltsgerät sehen -
ähnlich einem Geschirrspüler vielleicht.
„Why
Europe is so Unwired“
Eine
gleichnamige Kolumne von Nicholas Negroponte im „Wired“-Magazin
brachte dem Autor eine Flut böser E-Mails ein. (Vor allem aus
Frankreich, dem Land, das er in dem Artikel gewissermaßen angreift, Anm.) Wenn man es genau betrachtet, meint Negroponte
allerdings in einem späteren Interview, „ist digital zu sein
eigentlich italienisch.
Es ist Underground, provokativ, interaktiv. Es beinhaltet Humor, Diskurs und
Diskussion. Und es gehört so etwas wie Lebendigkeit dazu“. In Frankreich
und Deutschland hingegen gebe es keinen Underground, behauptet er. Diese
Länder basierten nicht auf kleinen Firmen und unternehmerischer Energie.
Digital zu sein sei vielmehr ein amerikanisches Phänomen, postuliert der
gebürtige Grieche und vielerorts verehrte Net-Guru. Sein Plädoyer:
„Wenn Europa kulturelle Avantgarde bleiben will, muß es von seinem
hohen Roß herabsteigen und phantasievoller in die Zukunft schauen.
Vielleicht wird es Zeit, Kultusministerien aufzugeben“. Nicht nur derlei
- für Patrioten und überzeugte Europäer durchaus als starker
Tobak anmutende - verbale Rauchschwaden sind Anlaß genug, sich mit der
Zukunft der „Cyber-Kultur“, so eine solche überhaupt
existiert, etwas näher zu befassen.
Die
europäische Online-community ist demographisch nicht so weit gestreut wie
in Amerika und besteht hauptsächlich aus Studenten, Freiberuflern und
wenigen Angestellten weniger Medienkonzerne. Eine „kalifornische“
Online-community etwa wird in Europa noch lange nicht entstehen. Die
Mentalität der Menschen ist - laut Aussagen einiger Europäer der
Branche, die in beiden Kulturen gelebt haben, einfach fundamental anders. Wird
der Computer in Europa zum Teil
immer noch als Feind betrachtet, ist er etwa in Kalifornien das Spielzeug
Nummer Eins. Nichtsdestotrotz ist Europa der Kontinent der
„Content-Kompetenz". Nirgendwo anders als in Europa gibt es ein so
differenziertes Verlagswesen mit qualitativ hochwertigen und vielfältigen
Produkten und Inhalten. Sobald es einen europäischen Markt für
Inhalte gibt, hat der europäische Kontinent eine Marktgröße
erreicht, die selbst die Nordamerikas übertrifft. Und die Inhalte sind es
schließlich, die nicht nur die Realität, sprich die
Informations-Revolution, sondern auch den Cyberspace bestimmen und bestimmen
werden. Was fehlt, ist eigentlich bloß das entsprechende
Bewußtsein.
Kommunikation
und Cyberkultur
Mit den neuen
Informationstechnologien ändert sich also nicht nur die Form der
menschlichen Kommunikation, sondern auch deren Kultur. Vielleicht ist das Internet
ein Vorbote der neuen Rolle der Information. Der Wiener Sozialphilosoph Frank
Hartmann, der sich mit Kultur und Gegenkultur des Cyberspace beschäftigt,
glaubt daran: „Die neuen Kulturtechniken können die einst
aufklärerische Forderung nach der Publizität von Gedanken mit immer
neuen Mitteln realisieren"1).
Im sogenannten
Cyberspace (Bruce Sterling bezeichnet den Cyberspace als „the place
between the phones") wird das Wissen jedenfalls nicht mehr als etwas
Abstraktes oder Transzendentes verstanden: Es wird mehr und mehr sichtbar und
dadurch auch leichter kommunizierbar. Pierre Lévy spricht von der
Personalisierung des Wissens durch die digitalen Netzwerke, von der
„Reinkarnation des Wissens“. Lévy ist Professor für Philosophie
im Fachbereich Hypermedia an der Universität Paris-Saint Denis. Web Sites
etwa bringen die Ideen, Wünsche und Angebote von Personen und Gruppen
sichtbar zum Ausdruck. Die Web Sites sind nicht nur, wie die Papierseiten, mit
Unterschriften versehen, sie eröffnen auch oft über E-Mail,
elektronische Foren oder andere Kommunikationsformen in virtuellen Welten wie
etwa MUDs (Multi User Dungeons, virtuelle Versammlungsräume) eine direkte,
interaktive Kommunikation. „Selbst wenn sie nicht von einer körperlichen Begegnung
begleitet wird, enthält die Interaktion im Cyberspace eine Form der
Kommunikation“, so Lévy.
Auf lange Sicht
kann die Entstehung eines kollektiven Geistes - Hunderte von Millionen Leuten,
die interaktiv mit den gleichen Quellen von Bildern, Informatik und Rhetorik
verbunden sind - nur dazu führen, „daß sich auf der ganzen
Welt völlig neue gesellschaftliche, politische und markttechnische und
kulturelle Triebkräfte entwickeln“, heißt es in der
„barmherzig untechnischen Einführung“ des Kursbuches Internet 2). Diese Triebkräfte werden die Welt
verändern, in der das Netz gewoben wurde, meinen die Autoren des Essays.
Und: „Das Netz ist die erste Maschine, die die Seele ihrer Schöpfer
widerspiegelt“.
Während
Philosophien wie etwa die des MIT innerhalb des nächsten Jahrzehnts auf
die total vernetzte Kommunikation des privaten und beruflichen Alltags setzen,
stellen Netzkritiker wie Clifford Stoll in „Silicon Snake Oil“ die
Bedrohung durch die Netzwelt in den Vordergrund. Ob wir allerdings vom
digitalen Zeitalter, von der postindustriellen Gesellschaft, vom Net-Age oder
von der kognitiven Wissensgesellschaft reden, - in einem sind die Prognosen
einig: Wir stehen in der Morgendämmerung einer neuen Ära.
Wanderer,
kommst du nach http...
Daß das
große, rhizomartige Weltdorf Internet kein Zentrum besitzt, ist
mittlerweile zum Gemeinplatz geworden. Es ist so verschiedenartig und
vielfältig wie die Anwender, die darin wohnen, es gestalten, speisen und
zu dem machen, was es nun einmal ist. Manche nennen es Medium, andere
Online-Community. Was es nun wirklich ausmacht, dieses riesige, neue
elektronische Konstrukt - ob real oder virtuell - wird sich weisen. Und wir
werden es sein, die Bedeutung, Ausmaß und Art der zukünftigen
Telewelt für uns selbst definieren. Ob kulturelle Katastrophe oder ultimative
Ordnung. Ob selektive Info-Schmankerln oder verschwenderische Fülle einer
sintflutartigen Wort-Bit-Überschwemmung.
Wir müssen
damit unsere und des Mediums Kindheit hinter uns lassen, die Entscheidung
selbst treffen: Kreiieren wir eine Geißel, ein Paradies oder einfach nur
einen neuen Alltag. Vielleicht in Form eines neuen Dadaismus, wie Helmut
Gansterer 1) ihn
visualisiert: „...aus dem neue Sichtweisen entstehen, neue Bretons,
Giacomettis und Picassos und, wer weiß, neben den neuen Künsten vielleicht
auch wieder neue Möglichkeiten bezahlter Arbeit, von der wir heute noch
nichts wissen und die uns von der größten Gefahr befreien
würde, die uns droht: durch rasenden Verlust der manuellen Industriearbeit
in jene Zweidrittelgesellschaft geworfen zu werden, die uns das Wertvollste
rauben könnte, den sozialen Frieden“.
Eine Vision von
Peter Glaser 1) hingegen sieht folgendermaßen aus: „Wir
werden kein Fernweh mehr fühlen in diesem magischen Anschein von
Nähe, der den
Cyberspace durchstrahlt. Das Bleiben wird die definitive Lebensart der
kommenden Jahrzehnte werden; das Bleibenlassen die bevorzugte Handlungsweise.
Nur manchmal noch werden wir Heimweh haben nach einem satten, kleinen Hier und
Heute, das matt geworden sein wird unter diesem wunderbaren Gefühl,
überall und immer da zu sein".
Literatur:
1) Das
Internet Lesebuch, Marion Fugléwicz, Verlag Buchkultur Wien, 1996
2) Kursbuch
Internet, S. Bollmann u. C. Heibach, BollmannVerlag Mannheim 1996
*) Weitere Information:
Europäische Kommission, GD XIII EUFO 1194, rue Alcide de Gasperi, L-2920
Luxemburg. Fax (352) 43 01 34 655, E-mail: MLIS@lux.dg13.cec.be oder über
den WWWServer I'M Europe, http://www.2echo.lu/mlis/mlishome.html
In Wien: BIT - Büro für
internationale Forschungs- und Technologiekooperation . Tel. 1/5811 616-115.
Fax 1/5811 616-18. E-Mail: roessler@bit.ac.at
Best Of
URLs:
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http://www.multilinguals.com.au/
http://spinfo1.spinfo.uni-koeln.de/
http://www2.echo.lu/im_news/de_home_lt.html
http://www.brameur.co.uk/vasari/eva/
http://www.itu.ch/
http://www2.echo.lu/libraries/en/infopge.html
http://www2.echo.lu/bonn/finalde.html
http://www2.echo.lu/info2000/en/evaluators.html
http://sunsv01.swbv.uni-konstanz.de:7000/wwwroot/radio.html
http://www.voerde.globvill.de/
http://www.bibl.uni-essen.de/
http://www.bibl.uni-essen.de/uebergr.htm#verlage
http://www.fotoline.ch/buecher/multi-2.htm
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Home of Babylon
Homepage von Babylon.
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lediglich folgende Browser die Features, die in Babylon
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Bilder einer Raumstation.
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14-Apr-97 - German
4.
Babylon 5 - Links ins WWW
Babylon 5 Links. Die
deutsche Babylon 5 Newsgroup:
news:de.rec.sf.babylon5. Deutschsprachige Babylon 5 Seiten. Es gibt
(natŸrlich) sehr
viele Babylon.
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29-Apr-97 - German
5.
digitalMIRROR BABYLON 2.0
Sparschwein.
Spielespa§ fŸr BŸromŸde. BABYLON zum Herunterladen. Gsnnen
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7.
Das Babylon-Archiv
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news.uni-jena.de!news From: JOLA@minet.uni-jena.de (Nina Feyh)
Newsgroups:
fsu.babylon. Subject: Babylon by bus. Date: 23 Aug 1995
14:25:48 GMT...
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21-May-97 - German
8.
ProSieben Online - Babylon 5
ProSieben Online -
Babylon 5
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German
9.
Babylon Online CinemaWeb
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20.3.1997. Vor dem Film: Will irgendjemand ein Eis?
Ê Ê
Ê Andere Kinos/Festivals: Wo ist nur der Uferpalast geblieben?..
[Preview]
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6-May-97 - German
10.
BABYLON-LISP
EMA-XPS Online.
BABYLON-LISP. babylon-LISP ============ Die hybride
Schale babylon3
stellt nur einen Teil des Sprachumfangs von CommonLISP
bereit. Unter...
[Preview] http://wmwap1.math.uni-wuppertal.de/EMA-XPS/de/ondoc022.html
- size 6K - 18-Sep-96
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