Unverbindliche Erinnerungen…

Der grosse Forscher und Philosoph Ernst von Glaserfeld ist tot. Er hat der Welt den radikalen Konstruktivismus geschenkt. Und ich danke ihm aus ganzem Herzen dafür, ganz persönlich. Ein verehrungswürdiger Mann. Objektive Erkenntnis ist seiner Einschätzung nach unmöglich; die Wahrnehmungen liefern niemals ein Abbild der Realität. Stattdessen konstruiert sich unser Gehirn, was es für wahr hält. Er habe keine Muttersprache, nur mehrere Muttersprachen, so in einem Nachruf der Presse. „Ich verstand, dass es Dinge gab, die man in der einen Sprache sagen und für wahr halten und die man doch nicht in eine andere Sprache übersetzen konnte.“ Die philosophische Richtung des Radikalen Konstruktivismus hat Glasersfeld gemeinsam mit Heinz von Foerster (1911 bis 2002) begründet, den ich in Wien noch hören durfte. Vielleicht ist eine der populärsten Erkenntnisse, die man diesem Modell entnehmen kann die, dass keine Antwort auf ein Lebensproblem je die einzige ist – eine Grundannahme des Radikalen Konstruktivismus. Und vielleicht steckt auch meine Liebe zum Konstruktivismus in dem – sicher wohlschmeckenden – Magritte´schen Apfelbissen, den ich anno 1991 in Form eines Posters auf meinen ersten Macintosh Computer – den ebenso geliebten quaderförmigen “Apple Classic” klebte: Ceci n´est pas une pomme. Das ist kein Apfel. Leben Sie wohl, Herr Professor. Danke, dass Sie da waren. Und dass man Sie auf  You Tube hören und sehen kann.

Posted in Cognitive Science, Konstruktivismus, Neurowissenschaften, Philosophie | Leave a comment

Philosophisches Kopfkino oder was wäre wenn…

Was wäre wenn… es irgendwo ein perfektes Land gäbe, ein Schlaraffenland? Thomas Morus verfasste 1516 in diesem Sinne einen gesellschaftskritischen Roman, in dem er dem Leser zeigte, dass es auch anders laufen kann… Kann es das wirklich?
Die von mir geliebte Sendung von Gerd Scobel hat philosophische Themenwoche: Die Suche nach dem Glück. Wem Fernsehen zu altmodisch ist, der kann sich im Netz über das brilliant gemachte philosophische Kopfkin0 freuen: Kurz, knapp und bunt. Utopia, Glaube, Ethik, Idealismus oder Existenzialismus. Kurze kultverdächtige Videoclips mit Nachdenkfaktor. So unterhaltsam kann sie sein – die (nach der Astronomie) älteste Wissenschaft der Welt…

Posted in Medien, Phantasie, Philosophie | Leave a comment

Jetlag, Furor und andere Rhythmusstörungen

Während ich versuche, mit ein paar Kollegen eine Besprechung zu organisieren, die permanent zwischen San Francisco, London, Frankfurt und Wien hin und herjetten, denke ich über die Auswirkungen von Zeitverschiebungen nach und stolpere über einen Kommentar von Klaus Woltron, den ich einst zum Thema “Mein PC und ich” interviewt habe. Woltron warnt hier nicht nur mit Wittgensteins “… man sollte sich hüten, „auf die letzte Stufe der Leiter“ zu steigen…” – er macht generell nachdenklich in Bezug auf das “chinesische Tempo” und den “Wutbürger”, auf den man nicht nur hören sollte, sondern den es auch zu respektieren gilt… dass “Glaubwürdigkeit” dabei zusehends zum kostbaren Privileg wird, darüber sollten nicht nur Medienmacher sich bewusst werden.

Posted in Kommunikation, Medienkompetenz, Philosophie, Zeit | 2 Comments

Gegenbild soziale Plattformen?

Das Anspruchsniveau sinkt. So lautet eine der ernüchternden zentralen Aussagen des immer wieder erfrischenden Fernsehformats Philosophisches Quartett. Peter Sloterdijk und Rüdiger Safranski diskutierten mit zwei meinungsfreudigen Publizisten, die sich mit dem Thema “Krise des Öffentlichen” kritisch auseinandergesetzt haben, der Schriftstellerin und Moderatorin Thea Dorn und dem Autor und “Spiegel”-Kulturjournalisten Matthias Matussek. Safranski und Sloterdijk stellen fest: Es fehlt der Respekt vor dem gemeinsam geteilten Lebensraum. Statt dass man sich dort von seiner besten Seite zeigt, lässt man sich gehen. In der Öffentlichkeit werden wir ausserdem geschult in Distanzlosigkeit, so Safranski und das prägt unser Verhalten. Gibt es Hoffnung, dass sich eine neue Öffentlichkeit bildet, ein öffentlicher Raum, in dem sich eine Gesellschaft wieder finden und ausdrücken kann? Endgültige Antworten vermögen auch Experten nicht zu geben. Wohltuend die Wortmeldungen – vor allem die von Thea Dorn, die auch zum Thema publiziert. Der niveauvolle! Diskurs zum Thema Bildung bleibt ein sine qua non in unserer Gesellschaft. Das Video ist hoffentlich bald – wie einige andere aus der Kulturtalk-Serie – auf YouTube zu sehen.

Posted in Kommunikation, Medien, Medienkompetenz, Philosophie | Leave a comment

“Moral ist im Wirtschaftssystem nicht relevant”

Nicht, dass diese Erkenntnis neu wäre, so kann sie doch nicht oft genug zitiert werden – und sei es, um vielleicht doch eines Tages einen findigen innovativen Jung-Ökonomen zu provozieren, ein Businessmodell zu entwickeln, das diese Prämisse ändert. Die ultimative Gewinnmaximierung von Moralinstanzen durch die Entwicklung einer wie immer geartet kulturellen Diaspora (der neue offene soziale Kapitalismus) oder so ähnlich… philosophisch geprägten Menschen ist das Entwickeln diverser – auch unrealistischer – Szenarien glücklicherweise ganz offiziell gestattet 😉
Wer das Headline-Zitat von Richard David Precht nicht kennt oder keine Zeit hatte, zu den Medientagen in Wien zu kommen, der hat die Möglichkeit, die sehenswerten Vorträge auf HORIZONT.tv zu geniessen. Netz sei Dank.

Posted in Medien, Medienkompetenz, Philosophie | Leave a comment

Es geht um den Kontext

Während der heimischen Medientage kommen naturgemäß Experten zusammen, die sich im gesellschaftskritischen Diskurs Gedanken zu einer Menge von Detailfragen machen und – wie so oft bei Konferenzen, Symposien und ähnlichen Zusammenkünften – ist das Programm so dicht, dass man immer das Gefühl hat, etwas Wichtiges zu versäumen. Hier diesmal ein hochkarätiges Referentenpanel – vom Philosophen Richard David Precht über Internet-Guru Jeff Jarvis, FAZ Herausgeber Frank Schirrmacher bis zur Kommunikationswissenschafterin Miriam Meckel. Sie überzeugt besonders in einem aktuellen Interview, das sie der Presse gab – einmal mit ihrem wichtigen Appell zur Verweigerung ständiger Erreichbarkeit (nach ihrem Burn-out!) und auch mit der Forderung so vieler Medienexperten, “mediale und technologische Veränderungen endlich in den Schulen konsequent zum Thema machen”, um jungen Menschen klar zu machen, wie man mit Information umgeht – aber anders, als viele das verstehen – was sie nämlich lernen müssen ist das Gefühl “Welche Informationen sind für mich wichtig?” Dabei geht es niemals um das Angebot neuer Technologie, sondern um den Kontext. Aktuelles Beispiel dazu: Facebook: 14-Jährige lädt unabsichtlich 21.000 Gäste ein

“Noch nie waren Menschen so gut informiert, was in der Welt passiert”, wird Precht von derStandard.at zitiert. Wer hier (wie eh und je) gefordert sei, die Orientierungsfunktion wahrzunehmen, sei klar: Die Medien. Das Netz stehe dabei erst am Anfang einer langen Entwicklung.
Möge sie also zügig voranschreiten… und tut sie das so wie in den vergangenen 20 Jahren, dürfen wir gespannt sein. Bleibt zu hoffen, dass die “richtigen” Menschen daran beteiligt sind.

Posted in Festival, Kommunikation, Medien, Medienkompetenz, Philosophie | Leave a comment

Ars Electronica macht´s wieder gut

“Sind wir noch zu retten?” fragt das renommierte Festival heuer und wie alljährlich könnte das Thema kaum besser am Punkt sein. Klimakrise, Wirtschafts-, Allgemeinkrise – und: wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Hehre Ansprüche und grosse Aufgaben gilt es zu bewältigen in unserer Welt und immer wieder ist es eine helle Freude zu sehen, wie viele Pioniere und Kreative es gibt; Wissenschafter, Künstler und Experten, die an die Welt glauben. An das Gute, an das Leben, an die Vernunft. Dass das Thema ein solches Echo erfährt, beweist wohl der Erfolg des Festivals. Meint eine, die (leider) gar nicht dabei war – aber das muss man ja heute gar nicht mehr. Noch nie was von erweiterter Realität gehört? Ein Rückblick und ein paar sehr empfehlenswerte Links bei DIGIOM.

Posted in Festival, Kommunikation, Medien, Philosophie, Zukunftsweb | Leave a comment

Sind wir Muße-fähig?

“Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt”, wußte schon Oscar Wilde.
Die Juli-Titelstory des Nachrichtenmagazins Spiegel thematisiert die Kunst des Müßiggangs im digitalen Zeitalter: “Ich bin dann mal off”. Ein Plädoyer für das Innehalten. In einer übereilten Zeit im Standby-Modus und der permanenten Verfügbarkeit tut es gut, zuweilen einer fast vergessenen Daseinsform zu frönen: Der Muße. Dichter, Philosophen und viele Kreative wiesen schon immer den Ausweg der Nachdenkpausen. Dazu gehört aber auch eine Bereitschaft, die heutzutage umständehalber kaum nachvollziehbar zu sein scheint…

Posted in Medien, Philosophie, Poesie, Schreiben | 1 Comment

Medientage: Philosophie braucht mediale Öffentlichkeit

Vor allem in Zeiten des Umbruchs. Philosophen müssen sich einmischen! “Als Scouts für Sinndefizit, Konsens-Arrangeure und Diskurs-Vermittler”. Mit diesem flammenden Appell erreicht der Philosoph und Bestseller-Autor Richard David Precht viele Menschen (mit dem unvergesslichen Titel «Wer bin ich – und wenn ja, wie viele ?» konnte er 2007 immerhin Zehntausende dazu verführen, sein Buch zu lesen *). Die akademische Philosophie ist freilich woanders angesiedelt.
Prechts Aufforderung, die Philosophie solle auch in den Medien eine grössere Rolle spielen, wird nicht von allen akademischen Kollegen geschätzt. Jedoch “Philosophen waren ursprünglich für alles zuständig, sie haben sich auch in alles eingemischt…. Mit der Frage nach dem guten, richtigen Leben hat das mal bei Platon und Aristoteles angefangen”, meint er etwa in der TV-Sendung “Sternstunde Philosophie”.

Einem solchen Diskurs kann Social Media – quasi aus einer “Graswurzelperspektive” heraus – möglicherweise dienlich sein. Hier ein Schritt in die Richtung.

Die Veranstalter der österreichischen Medientage (September) haben Precht als Keynote-Speaker eingeladen. Thema: „Fragmentierung des Ich und die Fragmentierung der Medien“.

Vielleicht ein erster Weg, die gesellschaftspolitische Verantwortung wieder dort zu verankern, wohin sie gehört.

*) Auf seinen philosophischen Reisen lässt Precht keine der grossen Fragen aus:
Was ist Wahrheit ?
Woher weiss ich, wer ich bin ?
Warum soll ich gut sein ?

Posted in Buch, Kommunikation, Medien, Philosophie, Zukunftsweb | 1 Comment

Kommunikation Oder die Beschleunigung von Wirklichkeiten

Sie ist nicht neu, die Beschleunigung von Wirklichkeiten. Ebenso wenig neu wie die Fähigkeit, professionell zu kommunizieren. Eine Tatsache, die in den meisten Social Media-Diskussionen gern vernachlässigt wird. Hier sei dem interessierten Beobachter des Phänomens Kommunikation ein kurzes Video ans Herz gelegt, in dem ein gewisser Ossi Urchs, seines Zeichens Journalist, Medienmann und Internet-Berater – einfallsloserweise gern als “Guru” tituliert – einige Dinge sagt, die jemandem, der sich seit 20 Jahren und länger Gedanken über Vernetzung, Kommunikation und andere Phänomene aus diesem Umfeld des Allzumenschlichen macht, das Herz erfreuen mögen. Achja, übrigens – für alle Marketing-Talker, die´s so gern vergessen: “Entscheidend ist, was ich zu sagen hab”. Und hört mal ein bisschen zu. Denn: Wir sind keine “Zielgruppen”. Wir sind Menschen.

Posted in Kommunikation, Medien | Leave a comment