Der grosse Forscher und Philosoph Ernst von Glaserfeld ist tot. Er hat der Welt den radikalen Konstruktivismus geschenkt. Und ich danke ihm aus ganzem Herzen dafür, ganz persönlich. Ein verehrungswürdiger Mann. Objektive Erkenntnis ist seiner Einschätzung nach unmöglich; die Wahrnehmungen liefern niemals ein Abbild der Realität. Stattdessen konstruiert sich unser Gehirn, was es für wahr hält. Er habe keine Muttersprache, nur mehrere Muttersprachen, so in einem Nachruf der Presse. Ich verstand, dass es Dinge gab, die man in der einen Sprache sagen und für wahr halten und die man doch nicht in eine andere Sprache übersetzen konnte. Die philosophische Richtung des Radikalen Konstruktivismus hat Glasersfeld gemeinsam mit Heinz von Foerster (1911 bis 2002) begründet, den ich in Wien noch hören durfte. Vielleicht ist eine der populärsten Erkenntnisse, die man diesem Modell entnehmen kann die, dass keine Antwort auf ein Lebensproblem je die einzige ist – eine Grundannahme des Radikalen Konstruktivismus. Und vielleicht steckt auch meine Liebe zum Konstruktivismus in dem – sicher wohlschmeckenden – Magritte´schen Apfelbissen, den ich anno 1991 in Form eines Posters auf meinen ersten Macintosh Computer – den ebenso geliebten quaderförmigen “Apple Classic” klebte: Ceci n´est pas une pomme. Das ist kein Apfel. Leben Sie wohl, Herr Professor. Danke, dass Sie da waren. Und dass man Sie auf You Tube hören und sehen kann.
